Was hat "happy leading" mit negativen Gefühlen zu tun?

25.08.2017

"Worte sind wie wilde Pferde. Einmal losgelassen, sind Sie nur schwer wieder einzufangen"

Unsere Gefühle haben einen ständigen Einfluss auf unser Handeln. Sprich jedes Gefühl, dass Sie empfinden, hat einen Einfluss auf Ihre Gedanken, Ihr Handeln und somit auch auf Ihre Führung.

Schauen wir uns einen Auszug unserer möglichen Gefühle an:

Angst, Ärger, Wut, Trauer werden oft als negative Gefühle dargestellt und Freude, Sympathie, Stolz und Verliebtheit als positive Gefühle.

Doch welchen Nutzen haben positive und negative Gefühle für uns Menschen?

Der Wandel der heutigen Zeit geht immer schneller vonstatten. Wandel und Dynamik sind die Schlagworte der heutigen Zeit. Innovation ist also ein muss. Doch wie bestimmen unsere Gefühle unser Handeln?

Die Entwicklung von uns Menschen geht weiter voran. Doch so vieles resultiert immer noch aus der Steinzeit und lässt sich in Verhaltensmustern auch heute noch wieder erkennen. Damals haben Sie uns geholfen zu überleben, heute sind Sie evtl. sogar hinderlich.

Was passiert also, wenn negative Gefühle in uns hoch kochen?

Negative Gefühle gehören zu unserem Überlebensinstinkt. Sie lassen uns die Situation fokussieren und dann vor allem schnell und entschlossen handeln. Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einem brennenden Haus. Sie verspüren Angst. Diese Angst lässt sich nicht nach Möglichkeiten suchen, sondern Sie auf direktem Wege aus dem Haus stürmen und rettet somit Ihr leben.

Wenn unsere Vorfahren ein Tier angegriffen haben, entwickelten Sie Wut und Ärger um den Kampf gegen ein Mammut zu bestehen und sich versorgen zu können. Sie konzentrierten den Fokus auf die Tötung des Tieres und handelten somit schnell und konsequent.

Wenn ein Fußballer am Elfmeterpunkt steht und scheitert ist der Wortlaut oft, er hat zu viel nachgedacht.

Erfolg hat der, der seine Gefühle und Gedanken kanalisieren und bewusst nutzen kann. Er will nach oben rechts schießen und tut es dann auch. Hier hilft der Tunnelblick.

Doch wie sieht es beim Thema Führung mit dem sogenannten Tunnelblick aus.

Folgendes Szenario:

Der Chef geht zu seiner Mitarbeiterin und sagt zu Ihr: "Ich möchte für dieses Problem endlich eine Lösung, sonst folgen Konsequenzen."

Der Vorgesetzte möchte natürlich das Ergebnis beschleunigen, da die Mitarbeiterin anscheinend noch nicht auf eine Lösung gekommen ist. Doch was resultiert aus der "Ansage"? Das Gefühl der Furcht wird Einfluss auf Sie nehmen und somit wird sich Ihr Blick verengen. Ihr wird es deutlich schwerer fallen kreativ zu sein und somit außerhalb Ihres Blickfeldes vielleicht endlich eine Lösung zu finden.

Dasselbe passiert, wenn ein Mitarbeiter Sie als Führungskraft mit einem Fehler verärgert. Stellen Sie sich vor, Ihr Mitarbeiter verpasst eine Deadline und somit springt der Kunde ab.

Sofort kochen Enttäuschung und Wut hoch. Sie bekommen den Tunnelblick und stauchen Ihren Mitarbeiter zusammen. Durch den Tunnelblick verlieren Sie

  1. die Konsequenzen Ihrer Aussagen aus den Augen und sagen vielleicht sogar etwas verletztendes zu Ihrem Mitarbeiter

  2. durch den Tunnelblick erkennen Sie vielleicht noch nicht einmal, dass den Mitarbeiter nicht einmal eine Schuld trifft. Dennoch muss er Ihre verbale Prügel einstecken und das nur, weil Sie Ihre Gefühle nicht steuern können.

Ich habe in meiner Heimatstadt am Anfang meiner Selbstständigkeit einen Gastronomiebetrieb betreut. Ein Problem war, dass sich im Unternehmen nicht wirklich etwas bewegte und auch der Chef war enttäuscht, dass seine Mitarbeiter so gut wie keine Ideen beisteuerten. Dabei hatte er gerade unter seinen Aushilfen eine Vielzahl von angehenden Akademikern. Sprich am Intellekt dürfe es nicht gelegen haben.

Ich besuchte dann mal ein monatlich stattfindendes Meeting. Der Besitzer sprach dann eine Stunde über die Themen die Ihn bewegen. Sprich eine Stunde gab es eine Standpauke für alle beteiligten und er zählte alles auf, was ihm nicht gefallen hat und was schief lief im letzten Monat. Die Mitarbeiter ließen das relativ regungslos über sich ergehen. Am Ende fragte er noch, ob es noch irgendetwas gebe oder jemand etwas beitragen möchte, was helfen könnte. Natürlich kam nichts. Er sagt dann zu mir, "Siehst du Marcus. Ich habe die falschen Leute um etwas zu ändern."

Doch wie kann ich negative Gefühle nutzen?

Der Elfmeterschütze nutzt diese negativen Fühle bei seinem Schuss. Der Tennisspieler beim Matchball schafft es sich zu fokussieren und genauestens seinen Plan zu verfolgen und schnell zu reagieren. Er weiß was er zu tun hat, um nun den entscheidenden Punkt zu machen und schafft es, alles andere auszublenden.

Diese Möglichkeiten können Sie auch nutzen und Bündeln, wenn es zum Beispiel um harte Verhandlungen geht, bei dem Sie nicht von Ihrem Plan abweichen dürfen oder wenn Sie darauf angewiesen sind, dass Ihre Mitarbeiter eine Arbeit schnell erledigen müssen ohne kreativ zu sein.

Was bewirken positive Gefühle?

Jahrelang hatte ich vor ein Buch zu schreiben und Vorträge über Führung zu halten. Doch in meinem eigenen Beruf habe ich es nie geschafft wirklich kreativ zu werden. Der Job hat mich komplett gefordert. Auch ich stand unter Vertriebsdruck und mir fehlten die zündenden Gedanken. Erst als ich "frei" war flossen die Gedanken. Erst wenn wir positive Gefühle haben und uns wohlfühlen dann werden wir kreativ und erweitern unseren Blickwinkel.

Die großen Innovationsfirmen und Kreativschmieden bieten Ihren Mitarbeitern auch meist das angenehmste Umfeld. Schauen Sie doch einfach mal, was Google seinen Mitarbeitern bietet und wie der ganze Arbeitsplatz vor Ort gestaltet ist.

Wie können Sie das nutzen?

Schaffen Sie eine positive Arbeitsatmosphäre.

Wie ist Ihre Führungskultur und wie wird diese von den Mitarbeitern aufgenommen?

Gerade wenn sie kreative Meetings machen, dann verlassen Sie das gewohnte Umfeld. Gehen Sie raus in die Sonne. Gönnen Sie Ihren Mitarbeitern etwas und urplötzlich befinden sich Ihre Mitarbeiter im Flow. Die Gedanken fließen. Ein ängstlicher Mitarbeiter wird ihnen keine besonderen Ideen liefern.

Doch beachten Sie eins: Positive Gefühle haben wir oft und gerne. Sie bestimmen unseren Alltag zu 80 %. Negative Gefühle sind eher kurz und heftig und bestimmen unseren Alltag zu 20 %.

Sie gehören zum Leben unabdingbar dazu.

Wenn Sie es aber passiert diese Gefühle aus dem Gleichgewicht zu bringen und Ihre Mitarbeiter mehr als 20 % an negativen Gefühlen in sich tragen, werden Sie demotiviert. Die Fehlerquote geht nach oben. Ihre Innovationskraft geht zurück und die Krankheitstage gehen deutlich nach oben.

Haben Sie also im Blick, was Ihre Mitarbeiter fühlen und wie ihr empfinden ist.

Ein wahrer Held nutzt die richtigen Gefühle im richtigen Moment.

Ihr Heldenmacher

Marcus O. Appelt