Vom Kollegen zum Vorgesetzten - Warum es so schwer ist aus den eigenen Reihen zum Helden zu werden und was du tun kannst!

07.06.2019

Vor drei Wochen wart ihr noch beste Freunde. Ihr habt euch geschworen, dass sich an eurer Freundschaft nichts ändern wird. Doch plötzlich fallen zwischen dir, deinen ehemaligen Kollegen und neuen Untergebenen solche Sätze:

"War ja klar, dass du dann einen auf wichtig machst."

"Ich dachte wir wären Freunde und ich wäre dir wichtig."

"Früher hast du mir alles erzählt und jetzt machst du auf Geheimniskrämerei."

"Denkst, du bist jetzt was Besseres."

"Für mich bist du immer noch der Azubi. Von dir lasse ich mir gar nichts sagen."

Solche Konflikte sind nach einer Beförderung gar keine Seltenheit. Und ja, es ist definitiv keine einfache Situation. Das gilt für alle Beteiligten.

Was kannst du also falsch oder auch richtig machen?

Du denkst, es bleibt alles wie bisher

Mit deinem Kumpel schwörst du dir, dass sich nichts ändern wird. Eure Freundschaft ist unantastbar. Auch den anderen Kollegen versicherst du, dass alles so bleiben soll.

Hier begehst du zwei große Fehler:

1. Du glaubst wirklich, dass alles so bleibt.

2. Du versicherst es deinen Leuten auch noch.

Aber es wird nicht so sein und somit werden deine Kollegen dich als Lügner sehen.

Denn es wird sich einiges ändern:

Du kannst deinem Kumpel nicht mehr alles erzählen. Du entdeckst ein Fehlverhalten einer Mitarbeiterin. Ein Mitarbeiter erzählt dir von seiner Krankheit. Eine Mitarbeiterin berichtet ihr von ihrer Schwangerschaft und ein anderer Mitarbeiter erklärt dir, dass er überlegt den Job zu wechseln.

Das passiert alles im Vertrauen. Das sind alles Dinge, die du nicht deren Kollegen erzählen darfst. Du darfst es vielleicht zu Hause deinem Partner erzählen oder einem Freund, der nicht involviert ist. Doch deinem ehemaligen Kollegen, der dein Freund ist, darfst du diese Dinge nicht erzählen. Also schwinden hier allein schon eure Gesprächsbasis und auch eure Vertrauensgrundlage.

Denn er wird merken, wenn es dir nicht gut geht und du Redebedarf hast. Und er will wissen was los ist.

Im zweiten Schritt heißt das auch für dich, dass du einen neuen Gesprächspartner brauchst. Somit werdet ihr weniger Zeit verbringen. Es kann sogar sein, dass er dir das übel nimmt oder eifersüchtig auf den neuen Gesprächspartner ist.

Andersrum werden aber auch deine ehemaligen Kollegen dich mal meiden. Alle Mitarbeiter lästern im Verlaufe eines lustigen Abends über ihren Chef. Das ist völlig normal und in Ordnung. Doch mit deiner Anwesenheit funktioniert das nicht.

Und schon ist es vorbei mit dem ursprünglichen Klima und mit dem "zwischen uns ändert sich doch nichts".

Was kannst du also tun?

  • Sei dir bewusst, dass sich mit deiner Beförderung auch zwangsläufig das Verhältnis zu deinen Kollegen ändern wird. Du kannst nicht daran festhalten. Das wird in einem Chaos enden. Willst du dir das nicht eingestehen, kannst du auch nicht Chef werden.
  • Sprich die Veränderungen offen an und triff mit deinem Kollegen oder deiner Kollegin Abmachungen. Erlaubt euch gegenseitig Feedback zu geben. Stellt klar, dass es auch mal auf der Arbeit Konflikte geben wird, die nichts mit eurer Freundschaft zu tun haben. Vereinbart gemeinsam Zeiten, in denen ihr nicht über die Arbeit sprecht und mache klar, dass du ihm oder ihr nicht mehr alles anvertrauen kannst.
  • Überlege mit welchen Menschen du stattdessen Zeit verbringen kannst. Du musst mit anderen sprechen und dich austauschen. Achte darauf, dass es dir weiterhin gut geht.

Warum deine Kollegen nicht wollen, dass du befördert wirst

Du zeigst eine Menge Energie. Deine Motivation und deine Ergebnisse sind beeindruckend. Du bemerkst dein Talent Menschen zu führen und fasst nun langsam eine Beförderung ins Auge. Doch plötzlich raten dir die Kollegen davon. "Soviel Verantwortung zu haben ist schwer." "Du musst viel mehr arbeiten als vorher." "Du musst dir alle Probleme ständig anhören." "Tu dir das bloß nicht an." Usw. ,usw., usw....

Doch was hat es damit auf sich? Immerhin hast du ja bewiesen, dass du es kannst und vor allem auch willst. Dafür solltest du deine Kollegen und vor allem Menschen verstehen. Denn sie machen das manchmal sogar unbewusst. Und das aus reinem Egoismus.

Denn wir Menschen haben oft zwei elementare Probleme:

  • Wir haben Angst vor Veränderung

Denn Veränderung bedeutet auch immer Ungewissheit. Und Ungewissheit können wir nicht kontrollieren. Das macht vielen Menschen Angst. Deine Veränderung hat immer Auswirkungen auf anderen Menschen. Es verändert eure Beziehung, eure Kommunikation, euer Verhältnis. Das bedeutet Unsicherheit. Die Menschen wünschen sich aber Sicherheit. Somit soll doch alles bleiben wie es ist. Und das bedeutet, dass auch du so bleiben sollst, wie du bist.

  • Der Erfolg eines anderen lässt mich kleiner dastehen

Schon allein wenn du beschließt, z.B. 6 Kilo abzunehmen, werden dir Leute in deinem Umfeld sagen, dass du das nicht tun brauchst. Sie reden davon, dass es nicht gut aussehen wird. Doch wenn du erfolgreich mit deinem Vorhaben bist, weil du z.B. diszipliniert bist, zeigt es ihnen auch ihren Misserfolg. Und das bedeutet, dass sie nicht diszipliniert sind.

Sobald du also eine höhere Stufe erklimmst, stehen sie eine Stufe unter dir. Und das fällt vielen Menschen schwer, dass zu akzeptieren.

Vor allem auch noch dann, wenn er dieselben oder sogar schlechtere Voraussetzungen als derjenige selbst hatte.

Das sind für mich auch die zwei Hauptgründe für Rassismus. Leider. Auch hier wollen die Menschen das alles so bleibt wie es ist und können erst recht nicht akzeptieren, dass eine angeblich minderwertige Rasse mehr schafft als jemand selbst. Das ist tragisch.

Doch was kannst du tun?

  • Gehe auf Ihre Ängste und Sorgen ein. Zeige deinen Kollegen, dass du sie verstehst. Nimm Ihnen also Ihre Ängste. Doch betone auch, dass du bereit bist dich zu verändern. Gib Ihnen zu verstehen, dass Ihre Ängste in Bezug auf dich unbegründet sind, da du weißt, was sich ändern wird. Und vor allem gib Ihnen das Gefühl, dass sich Ihr Wert dadurch niemals mindern wird. Gib Ihnen nicht nur das Gefühl, sondern lebe es auch genauso.
  • Höre ihnen einzeln zu und erkläre Ihnen, was du vor hast. Zeige ihnen deinen Weg und gib ihnen damit Sicherheit.
  • "Jedem ist sein Schicksal zuzumuten." Das ist ein harter Satz. Doch es wird auch so sein, dass Menschen deinem Weg nicht folgen können oder wollen. Sei dir also bewusst, dass manch einer auf der Strecke bleiben wird. Das ist Veränderung. Und wenn dir jemand sagt, dass du dich verändert hast, meint er, dass du aufgehört hast dein Leben nach seinen Vorstellungen zu leben.

Dein Start mit einem neuen Team

Mit deiner ersten Ansprache kannst du schon viel bewegen. Dein erstes Meeting sollte also genau vorbereitet sein.

Doch was wird die Zielsetzung sein?

1. Du musst ihnen Ihre Ängste nehmen

Zeig hier in deiner Ansprache Verständnis für die neue Situation. Erkläre ihnen, was sich ändern wird und welchen Plan du hast. Hol deiner Mitarbeiter direkt mit ins Boot und besprich mit Ihnen, welche Rolle sie in deinem Plan einnehmen. Sie müssen so gut und transparent wissen, was auf sie zukommt. Das gibt ihnen Sicherheit und nimmt ihnen ihre Ängste.

2. Biete keine Angriffsfläche

Das geht ganz einfach. Nimm Ihnen den Wind aus den Segeln. Deine Mitarbeiter werden gewisse Vorurteile haben. Irgendwann werden Sie sagen, dass du eigentlich nur der Azubi bist. Sie werden dir vorhalten, dass du zu jung bist. Sie werden dir auch frühere Fehler vorhalten.

Sprich genau diese Themen mit Selbstbewusstsein an.

"Ja, liebes Team, ich weiß, dass einige von euch denken, das kann nichts werden, weil ich eigentlich der Azubi bin. Einige von Euch halten mich für zu jung. Ich weiß auch, dass ich früher nicht alles richtig gemacht habe. Das könnt ihr mir alles vorwerfen und ich werde es auch nicht entkräften. Doch für mich zählt, dass wir uns gut verstehen. Für mich zählt, dass wir gemeinsam erfolgreich sind. Und für mich zählt, dass ihr mir die Chance gebt mich zu beweisen. Dafür werde ich alles geben. Seid ihr dabei?"

Sie können nach solch einer Ansprache nicht nein sagen. Und auch später werden dir diese Vorwürfe nicht mehr auf die Füße fallen. Und selbst wenn, kannst du jederzeit sagen, "stimmt, habe ich euch ja selbst schon gesagt."

3. Zeig Ihnen warum es gut ist, dass du ihr neuer Chef bist

Hier musst die Ihnen zeigen, was du vorhast. Erkläre Ihnen deine Führungsphilosophie und besprecht auch hier gemeinsam eure gegenseitigen Erwartungen. Hol deine Leute ab und zeig Ihnen schon ab hier, was sie davon haben, dass du sie leiten darfst. Es ist ab sofort dein Team. Du bist für diese Menschen und für euren Erfolg verantwortlich. Zeig ihnen, dass du das weißt und wie du für den Erfolg und das Wohlbefinden sorgen möchtest. Nenne aber auch ganz klar, was du erwartest.

So wirst du schon im ersten Meeting dein Team für dich gewinnen und du machst einen riesen Schritt vom Kollegen zum Vorgesetzten.

Ich wünsche dir viel Erfolg.

Dein Marcus